Stottertherapie

Einen gelassenen und mühelosen Umgang mit den unwillkürlichen Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden des eigenen Stotterns entwickeln.

Wie wir auch bei der Herstellung unseres "von innen heraus" entwickelten Kinofilms Mein Stottern dokumentieren konnten, gleicht kein Stottern (und auch kein Umgang damit) exakt dem anderen - auch wenn es Gemeinsamkeiten gibt. Daher orientiere ich mich in der Stottertherapie an den individuellen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen der Unterstützung suchenden Menschen.

Um herauszufinden, ob Sie mit Ihrem eigenen Stottern oder dem Stottern Ihres Kindes bei mir richtig sind, finden Sie auf dieser Seite einige typische Ausgangssituationen, Grundsätzliches zu meiner Arbeitsweise und auf der FAQ-Seite formale Voraussetzungen und Tarife für den Beginn einer Stottertherapie im Einzelsetting.

Außerdem gibt es ergänzend zur Einzeltherapie immer wieder auch die Möglichkeit zur Stottertherapie in der Kleingruppe.

In begründeten Fällen besteht zudem die Möglichkeit derTelelogopädie, also zur Zusammenarbeit mittels Telefon oder Videotelefonie.

Mögliche Ausgangssituationen vor Beginn einer Stottertherapie:

Das eigene Stottern nicht länger verbergen

Gerade für Menschen, die mit einer Stottersymptomatik leben, die nicht für jeden erkennbar ist, dominiert häufig die Furcht vor der Entdeckung. Laute und Wörter werden vermieden, Situationen aus dem Weg gegangen.

Im Rahmen einer Stottertherapie lernen Stotternde, beeinflussbare Faktoren von unwillkürlichen Kernsymptomen zu unterscheiden. Sie trainieren Techniken, mit denen aufkommende Symptome entschärft oder nachgebessert werden können und gelangen so zu einer möglichst flüssigen Sprechweise.

Gleichzeitig lohnt es sich, mit auftretenden Sprechunflüssigkeiten einen konstruktiven Umgang zu finden. Die auftretenden Blickkontaktabbrüche, Blocks, Dehnungen oder Wiederholungen werden nach und nach als das betrachtet, was sie sind: Reaktionen auf kurze Unterbrechungen der Stimmlippenschwingung, die das ansonsten flüssige Sprechen vorübergehend behindern.

Um das Gefühl von Sicherheit zu stärken ermutige ich Stotternde, den geschützten Rahmen der Therapie schrittweise zu verlassen. Im eigenen Tempo kann somit eine zunehmende Selbstverständlichkeit in immer anspruchsvolleren Kommunikationssituationen erreicht werden.

Unterstützung für stotternde Kindergarten- und Volksschulkinder 

Womöglich wissen Sie bereits aus eigener Erfahrung, wie sehr sich Stottern auf das eigene Leben auswirken kann.

Oder Sie sind erstmals mit diesem Phänomen konfrontiert und spüren jedes Stocken ihres Kindes auch in Ihrem eigenen Körper. Sie beobachten die Irritation, Wut oder auch den Rückzug Ihres Kindes mit Sorge. Sie wissen, dass die gutgemeinten Ratschläge, mit denen Sie überschüttet werden, keine Hilfe bringen oder nehmen nur die stummen Blicke in Ihrer Umgebung wahr, die Ihrem Kind und Ihnen ein unangenehmes Gefühl aufzwingen.

Was immer es in Ihrer konkreten Situation bedeuten mag: beginnendes und sich verfestigendes Stottern verlangt nach rascher und kindgerechter Unterstützung. Vorurteile können von echten Fakten unterschieden werden, damit Sie selbst und ihr Kind lernen, selbstbestimmt, offen und konstruktiv mit dem Stottern umzugehen.

Wenn über die "hüpfenden" oder "im Mauseloch feststeckenden" Wörter endlich gesprochen werden darf, nimmt dies häufig schon den größten Druck. Die Art des Sprechens wird spielerisch variiert und somit dem Stottern das Bedrohliche genommen.

Insbesondere Kinder zwischen 3,5 und 8 Jahren profitieren häufig davon, wenn sie in der Produktion flüssiger Äußerungen bestärkt werden. Methoden wie etwa die Lidcombe-Stottertherapie greifen in diesem Alter nachweislich besonders häufig. Allerdings ist hierfür die konsequente Mitarbeit einer fixen Bezugsperson grundlegend für die Wirksamkeit und kann oft, aber eben nicht in jedem Fall erfolgen. Daher ist es in manchen Fällen sinnvoller, Methoden zu wählen, die den Eltern etwas weniger Einsatz abverlangen und dem Kind dennoch einen müheloseren Umgang mit dem Stottern beibringen.

Mündliche Prüfungen und Referate bewältigen

Sicher haben Sie im Laufe Ihrer Schullaufbahn einige mündliche Prüfungssituationen erlebt, die Ihre aktuelle Furcht begründet. Sie wissen, dass Sie aufgrund Ihrer Interessen und Begabungen in dem einen oder anderen Beruf genau richtig wären. Zuweilen fragen Sie sich, ob es vielleicht doch Möglichkeiten gibt, diesen Weg doch noch einzuschlagen.

Sie wären nicht der oder die erste! Auch wenn man die berühmten Vorbilder wie etwa Marilyn Monroe, Bruce Willis, Winston Churchill oder auch der Fußball- und Interviewprofi Hamit Altıntop einmal beiseitelässt, bleiben noch zahlreiche andere, die sich ebenfalls für einen offensiven Umgang mit ihrem Stottern entschieden haben. Der Austausch mit anderen - im Rahmen einer Selbsthilfegruppe oder via Internet-Plattformen - kann oftmals ermutigen, dem eigenen Weg beherzt zu folgen.

Gleichzeitig empfiehlt es sich, eine differenzierte Wahrnehmung der Einflussfaktoren Ihrer Sprechabläufe zu fördern. Darauf aufbauend erlernen Sie mittels einer Stottertherapie adäquate Techniken, die das Sprechen nachhaltig erleichtern.

Selbstverständlich ist auch hier eine sogenannte Desensibilisierung hilfreich: Sie lernen, gegenüber Ihren Symptomen gelassener zu werden und somit auch stressfreier zu sprechen.

Darüber hinaus kann es in manchen Situationen sinnvoll sein, weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen, die Ihnen etwa in Prüfungs- oder Referatssituationen zur Verfügung stehen (beispielsweise rechtliche Erleichterungen, informelle Absprachen). Welche das sein können, hängt zumeist von den individuellen Rahmenbedingungen ab und lässt sich klären.

Zunehmende Symptomatik entschärfen

Vielleicht haben Sie Tricks entwickelt, um möglichst unauffällig über die Hürden des Sprechalltags zu kommen: Sie schieben Sprechanläufe auf, halten bei aufkommendem Stottern still oder verändern die Atmung oder Ihren Tonfall. Sie hatten bisher den Eindruck, dass Ihnen diese Maßnahmen dabei helfen würden, dem Stottern zu entgehen, merken aber, dass diese Hilfe nicht von Dauer ist. Hier lohnt sich ein Blick auf das eigentliche Stottern, eine Analyse der Kernsymptome.

Während sich bei manchen Kindern Stottern durchaus noch zurückbilden kann, geschieht dies bei Erwachsenen in der Regel nicht mehr. Dennoch können Erwachsene sehr wohl entscheidende Veränderungen im Umgang mit ihrer individuellen Art zu Stottern erlernen. Mit einem gewissen Maß an Konzentration und Übung lassen sich neu erprobte Abläufe in den Alltag integrieren. „Weg“ geht das Stottern im Erwachsenenalter also nicht, aber der Umgang damit kann sich wesentlich verbessern.

Besonders häufig profitieren Erwachsene von Stottertherapieformen, die sich am Non-Avoidance-Ansatz Van Ripers und nachfolgender Generationen orientieren. Hierbei geht es darum, das eigene Stottern als Phänomen anzuerkennen, um es genauer identifizieren und in weiteren Schritten auch verändern zu können. Dies bedeutet also nicht, das Stottern zu vermeiden, sondern es in seinen ersten Anzeichen zu erkennen und mittels gezielter Maßnahmen zu entschärfen. Aus evtl. Blocks werden andere Varianten des Sprechens.

Falls Sie derartige Lernprozesse bereits hinter sich haben, aber im Laufe der Zeit etwas ungenau oder unsicher geworden sind, benötigen Sie womöglich nur eine kleine Auffrischung. Ich helfe Ihnen bei der individuellen Zusammenstellung eines „Notfallkoffers“, um wieder gestärkt in Ihren Alltag zurück zu kehren.

Hänseleien stoppen

Es ist ein wichtiger und mutiger Schritt, um Unterstützung zu bitten! Gerade dann, wenn andere an einer empfindlichen Stelle bohren.

Manche Kinder und Jugendliche sind mit sozialen Auswirkungen ihres Stotterns konfrontiert, müssen sich mit blöden Bemerkungen und übertriebenen Ängsten anderer auseinandersetzen. Ein Grund mehr, sich nicht nur den ganz praktischen Herausforderungen des immer wieder unterbrochenen Sprechflusses zu stellen und den Kontakt zu anderen aktiv zu gestalten - nicht zuletzt auch durch Aufklärung. Mitschülerinnen und Mitschüler, Freundinnen und Freunde, Eltern und Unterrichtende können so zu Verbündeten im Umgang mit den eigenen sprachlichen Herausforderungen werden und vor allem im Bestreben Stotternder, für sich selbst zu sprechen.

Wie genau ich dabei helfen kann, lässt sich am besten in einem direkten Austausch klären.

Einen realistischen Umgang mit dem Stottern entwickeln

Stottern bei Erwachsenen ist für über 99% der Betroffenen nicht heilbar. Diese Beeinträchtigung taucht immer wieder auf, vor allem in Situationen, die die Kapazität der eigenen Aufmerksamkeit oder Gelassenheit übersteigen.

Aus diesem Grund profitieren die meisten Erwachsenen von einer Therapieform, die das Stottern grundsätzlich akzeptiert und konstruktive Reaktionen, bzw. Techniken anbietet und trainiert. Insbesondere durch ein immer gelasseneres und gezieltes Erkennen, bzw. Loslassen Ihrer übermäßig aktivierten Sprechmuskulatur wird der Umgang mit individuellen Stottersymptomen entschärft und ein möglichst hohes Maß an Sprechflüssigkeit möglich.

Ich begleite Sie gern dabei.

Grundsätzliches zu meiner Arbeitsweise

Die unwillkürlichen Unterbrechungen der Stimmgebung beim Stottern machen Sprechversuche zunichte. Individuelle Reaktionen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde sind die Folge. Mit Dehnungen, Wiederholungen, Blocks oder auch anderen Strategien wird versucht, den Abruf der Laute, Silben, Wörter oder Sätze doch noch zu ermöglichen. Oftmals geschieht dies mit großer Anstrengung und unter Stress - erst recht, wenn Betroffene und Angehörige mit Zeitdruck, sozialer Ablehnung oder ungünstigen "Hilfsangeboten" konfrontiert werden.

Daher halte ich die Vermittlung von Hintergrundinformationen für Betroffene und insbesondere bei Kindern auch die Beratung ihrer Bezugspersonen für einen wichtigen Bestandteil der Stottertherapie.

In Bezug auf die Therapie selbst, liegt mir das Prinzip des Non-Avoidance-Ansatzes, also das Nicht-Vermeidens-Prinzip besonders am Herzen. Einfach deshalb, weil sich enttabuisierte Themen besser bearbeiten lassen und man mit den Herausforderungen nicht alleine bleibt.

Abhängig von den jeweiligen Voraussetzungen und Bedürfnissen der stotternden Klient*innen (bzw. im Falle betroffener Kinder zusätzlich auch um die Bedürfnisse der wichtigsten Bezugspersonen) geht es daher bei allen Altersstufen um eine Weiterentwicklung hin zu einem anstrengungsloseren und freieren Sprechen - im Falle der Kinder immer auch in Richtung einer Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, das Stottern wieder zu verlieren bzw. in eine möglichst milde Form zu überführen.

Welche Therapierichtung gewählt wird, entscheidet sich im gemeinsamen Gespräch. Grundsätzlich tendiere ich aber insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen zum sogenannten Modifikationsansatz:

Aufbauend auf der spezifischen persönlichen Motivation, geht es in diesem Entwicklungsprozess etwa darum, verschieden Therapiebausteine zu erarbeiten und in zunehmend herausfordernden Situationen zu kombinieren.

Nicht selten reagieren Stotternde auf ihre Kernsymptome intuitiv und unbewusst mit mildernden oder auch verstärkenden Strategien. Ein erster und wesentlicher Baustein ist daher die Identifikation, also die Schärfung der Wahrnehmung für die eigenen Bewegungsabläufe beim flüssigen bzw. unflüssigen Sprechen. Neben den körperlichen Aspekten kann hierbei auch das Erkennen von Gedanken und Gefühle in Bezug auf das eigene Sprechen (und manchmal auch in Bezug auf dessen Vermeidung) relevant sein.

Außerdem wird die sogenannte Desensibilisierung in den meisten Fällen immer wieder Thema sein. Sie dient dazu, Gelassenheit im Umgang mit dem eigenen Stottern zu entwickeln. Dies ist beispielsweise wichtig, um die Stottersymptomatik in ihrem Kern freilegen zu können und somit im entscheidenden Moment überhaupt gelassen genug auf Mitbewegungen, Ticks o.ä. reagieren zu können und sie (im Rahmen der Modifikation) in aller Ruhe zu verändern bzw. abzubauen. Sie zielt mitunter aber auch darauf ab, sich einer (ansonsten vermiedenen) verbalen Kommunikationssituation zu stellen und sich mehr und mehr "aus dem Schneckenhaus hinaus zu trauen".

In der Modifikation geht es schließlich darum, die Sprechweise in eine anstrengungslosere Richtung zu verändern. Je nach Alter der Betroffenen und abhängig von familiären Rahmenbedingungen, bzw. persönlichen Zielsetzungen kommen hierbei unterschiedliche Methoden (z.B. die Intensive Modifikation Stottern IMS oder auch die Lidcombetherapie) zum Einsatz. Beispiele für Techniken sind etwa Prolongationen (weicher, langsamer und somit genaueres "Einfädeln" in die gewünschte Sprechbewegung an schwierigen Stellen, Pull-Outs ("Herausziehen" aus einem Block) oder auch Nachbesserungen (ein gestottertes Element im Nachhinein nochmals in aller Ruhe auf flüssige Weise bearbeiten).

Zuweilen fällt die Entscheidung aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Fluencyshapingmethoden oder auf eine Kombination von Fluencyshapingmethoden mit dem Modifikationsansatz, denn grundsätzlich gilt für mich, dass nur solche Zugänge für Betroffene nachhaltige Wirkung zeigen, die für sie auch nachvollziehbar und praktikabel sind.

Unabhängig davon, mit Hilfe welcher Therapierichtung Sie sich bzw. Ihr Kind unterstützen möchten: Ihrem eigenen Stottern mit zunehmender Selbstsicherheit zu begegnen und die eigenen Gedanken in immer schwierigeren Situationen zu äußern, ist für mich als begleitende Logopädin ein wichtiges Ziel. Daher spielt der Transfer in den Alltag für mich von Anfang an eine zentrale Rolle in der Stottertherapie - sowohl in Form gemeinsamer In-vivo-Trainings, als auch in der gemeinsamen Vorbereitung individueller Aufgaben bis zur nächsten Therapie.

Andere Stotternde treffen

Egal ob als einziger Schritt oder als Ergänzung zu einer Stottertherapie: Manchmal freut man sich über den Austausch mit anderen, die ebenfalls mit dem Stottern leben - egal ob als selbst Betroffene oder als Angehörige. Selbsthilfeorganisationen bieten einen guten Ort dafür.

Und für diejenigen, die neben dem gemeinsamen Austausch mit anderen Stotternden auch auf der Suche nach therapeutisch begleiteten Herausforderungen sind, könnte evtl. auch die Gruppentherapie für stotternde Jugendliche und Erwachsene von Interesse sein.